Reittherapie

Reittherapie ist eine Form der Körpertherapie die ausserordentliche Möglichkeiten für die Klienten hat

Das Pferd in der Behandlung von Menschen gibt wesentliche und spezielle therapeutische Hilfen die der Mensch allein nur schwerlich leisten kann. Das Pferd, in seinem Wesen und als Bestandteil von Mutter Natur gibt dem verstörten Menschen eine Zuflucht, die als solches schon heilsam ist. Der Umgang mit dem Pferd, sein natürlicher Rythmus und von ihm getragen zu werden, schafft Orientierung und Zuversicht das Leben wieder selbst (er-)tragen zu können.

 

Der Rythmus wo man mit muss

Der Bild zeigt Klient und Pferd mit der Reittherapeutin im gleichem Schrittmass  und Taktung. Das Pferd gibt einen Rythmus vor, dem sich auf natürliche weise der Mensch anpasst. Diese Frequenzen die hier zum tragen kommen senken die Atemfrequenz und den Blutdruck. Es werden Hormone wie Oxitocin und Serotonin frei. Gerade beim Depressiven Menschen findet sich meist ein vermindeter Serotoninspiegel. Das Pferd beruhigt den gestresseten Menschen, mobilisiert den stagnierten Depressiven und wirkt der Isolation entgegen. Es findet energetisch eine Erdung statt. Zu erleben, dass das grosse Tier auf mich hört, mich beachtet und respektiert und von mir gelenkt werden kann, gibt dem vormals Hilflosen, in seiner Ohnmacht stagnierten, wieder Handlungsfähigkeit. (Handlungsermächtigung). Als weiterer wichtiger Punkt wirkt die Beziehung und die Verantwortung die aus dem Kontakt entstehen, als Suizidprophylaxe.

Das Pferd wirkt auf das vegitative Nervensystem des Menschen, (balancierend, harmonisierend) das im Daueralarm ist und unterbricht die Ausschüttung von Stresshormonen.

 

Tiergestützte Therapie, was macht das Tier zum Therapeuten ?

Seit Sylvia Greiffenhagens: „Tiere als Therapie“ in den 80igern ist die Argumentation für die tiergestützte Therapie keine andere geworden. Mittlerweile werden weltweit Tiere als Co-Therapeuten für Rehabilitation, Aktivierung und Betreuung von Bewohnern von Anstalten (Heime, Gefängnis, Psychatrie) eingesetzt.

Tiere reagieren auf dem Menschen immer im Jetzt und sind dabei reiner Selbstausdruck. Auch erlaubt das Tier einen harmlosen Körperkontakt, bietet Raum für Vertrauen und Zuneigung um seiner selbst willen. Tiere lösen als Teil von Mutter Natur einen vegetativ regulierenden Reiz beim Menschen aus.

Seit Tausenden von Jahren hängt die Geschichte der Menschen mit derjenigen der Pferde zusammen. Pferde stehen für Kraft, Stärke, Ausdauer und Schönheit. Pferde`bewegen‘ den Menschen schon seit Urzeiten physisch und emotional. Sind damit ein Teil der Urmenschlichkeit.

 

Wem kann Reittherapie helfen ? 

Auf der körperlichen Ebene ist die Reittherapie gut geeignet für:

 

Generelle Verbesserung der Körperwahrnehmung und Balance.

Neurologischen Erkrankungen z.B Multipler Sklerose

Körperliche Einschränkungen z.B nach immobilisierenden Verletzungen, Behinderungen

 

Besonders geeignet ist die Reittherapie auf der psychischen/emotionalen Ebene fuer Menschen mit:

    sozialen Ängsten,

    mit Selbstwertproblemen

    mit mangelhafter Körperwahrnehmung

    mit Problemen, Vertrauen zu schenken und anzunehmen

    vermindertem Realitätsbezug

    Verlust der Lebensfreude

    Dysbalance im emotional-kognitiv-motorischen Bereich

    eingeschränkter Selbst-und Fremdwahrnehmung

    posttraumatischer Belastungstörung

 

Pferde sind sehr soziale Wesen. Sie haben sich als Fluchttier  hoch spezialisierte Wahrnehmungs-und Verhaltensweisen angelegt. Deshalb können sie bei  ihrem Gegenüber und in der Umgebung sofort emotionale Spannungsfelder wahrnehmen und unsere innere und äußere Haltung ständig widerzuspiegeln, was eine wunderbare Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung bietet. Die nun geforderte konstruktive Auseinandersetzung macht vermehrt einen eigenen Standpunkt notwendig, und wirkt dadurch Ich-Struktur-stärkend. Das Pferd fordert uns zu einer eindeutigen Kommunikation und Klarheit auf. Hier können wir von ihnen lernen.

Pferde lehren uns, wie wir klare und dadurch weiche Grenzen setzten können, wie wir auf unsere eigenen Bedürfnisse achten können, ohne den anderen dabei zu vernachlässigen oder zu überrrennen.

Auch den Umgang mit Gefühlen können wir uns von den Pferden abschauen. Für Pferde sind alle Gefühle „nur“ Information, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Übernehmen wir diesen Ansatz und lernen die Information hinter einem Gefühl zu erkennen, können wir mit dem Gefühl ganz anders umgehen. „Negative“ Gefühle verlieren so ihren Schrecken, denn wir lernen konstruktiv mit ihnen zu leben.

Für das Pferd ist es auch nicht wichtig, was ein Mensch erlebt hat, sondern wie er sich im Augenblick fühlt, und wie authentisch er sich gibt. Pferde lassen sich nicht durch vordergründliche Äußerlichkeiten täuschen wie z.B. wie attraktiv, beherrscht oder stark ein Mensch auftritt.

    Das Pferd reagiert auf Gestik, Stimme, Atmung, Stimmungssignale, Körperspannung und die Echtheit der Beziehung.

    Das Pferd schafft immer eine beruhigende, motivierende Atmosphäre, zumal es von Natur aus neugierig und freundlich ist.

 

Was kann in der Reittherapie gefördert werden?

    Körperwahrnehmung: Im Bewegungsrhythmus mit dem Pferd lernt der Mensch seinen Körper zu spüren, er erfährt Körperkontakt, lernt Nähe auszuhalten und zu geben.

   Neurologische Ebene: Der Viertakt im Schritt und der Rythmus des sich bewegenden Pferdes überträgt sich extrapyramidal direkt auf das Gehirn des Reiters und gibt die Information ins Gehirn: „ich gehe“ – therapeutisch eine sehr wichtige Ressource für Menschen für die Gehen nicht ungehindert ist. Unterbrochene Verknüpfungen werden im Gehirn aktivert und Neue gebildet.

    Emotionen: Das Pferd spiegelt Emotionen ganz direkt und unverfälscht  wieder und macht dadurch innere Prozesse sichtbar. Das Pferd als Spiegel.

    Sozialverhalten: Im Kontakt mit dem Pferd kann Vertrauen neu erlernt werden. Mensch kann sich willkommen fühlen. Grenzen auf beiden Seiten müssen wahrgenommenen und respektiert werden, ehrliche Kommunikation entsteht.

    Kognitive Ebene: Das Reiten fördert Konzentration und Ausdauer. Stabilisation durch verbesserte Koordination. Der Umgang mit der Natur stellt auch neue Herausforderungen, für die im Jetzt Lösungen gefunden werden müssen .

    Körperliche Ebene: Der Anblick und der Umgang mit dem Pferd senkt den Blutdruck und die Atemfrequenz. Auf der Hormonellen Ebene löst der Umgang mit dem Pferd die Ausschüttung von Oxitocin und Serotonin (den „Wohlfühlhormonen“) aus. Damit begünstigt der Umgang mit dem Pferd fast jeden Heilungsverlauf bei vielen psychischen Erkrankungen.

In der Begegnung mit dem Pferd liegt eine Kraft, die das Wesen Mensch tief im Inneren stärkt.

 

Therapeutisch können alle Tätigkeiten mit und um das Pferd genutzt werden.

Die einzelnen Schritte und deren Bedeutung in der Reittherapie werden hier nun erläutert:

1. Pflegen und Putzen des Pferdes

Reittherapie – Putzen des Pferdes

Dies fördert:

    Beziehungsaufnahme

    Erwerb von praktischen Fähigkeiten

    Abbau von Berührungsängsten

    Förderung der Achtsamkeit

    Eingehen auf Bedürfnisse anderer

Es geht dabei nicht in erster Linie um ein „Sauber machen des Pferdes“, sondern vielmehr um eine Intensivierung des Körperkontaktes. Dabei können Emotionen entstehen von Wohlbefinden, Freude, aber auch Angst und Ekel. Es geht dabei auch um Berühren/Berührt werden, und um das Zulassen und Erleben von Körpernähe, Kontakt und Beziehungsaufbau.

Man lernt wahrzunehmen, wo und wie das individuelle Pferd sich gerne berühren und verwöhnen lässt – und wo es eigene Bedürfnisse gibt, sich dem Pferd zu nähern. Dadurch  wird das Fremd- und Selbstempfinden gestärkt.

Es geht aber auch um ein Gruppenerleben, z.B. wer leitet wen an und inwiefern kann der Einzelne Unterstützung einfordern und annehmen.

2. Getragen werden von dem Pferd/ Geführt werden

Reittherapie – Kontakt mit dem Pferd

Das Sitzen und „Geführt werden“ auf einem ungesattelten Pferd, das nur  mit einem Voltigiergurt und Decke ausgerüstet ist ermöglicht das intensive Erspüren der Bewegungen des Pferderückens.

Diese harmonischen Bewegungen des ganzen Körpers fördern:

    die eigene Körperwahrnehmung, Koordination und Motorik

    lösen unter Umständen  Verspannungen oder Rückenschmerzen und

    stimulieren das seelische Fühlen und Empfinden.

Gleichzeitig geht es auch um Themen wie: Ausgehalten werden, Halt spüren, Getragen werden und Loslassen.

Je besser man loslässt, desto besser kommt man in die Bewegung des Pferdes. Bildhafte Übungen helfen schnell die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern und sein Gleichgewicht auf dem Pferd zu finden.

Die Energie kommt besser ins Fließen und  Blockaden können sich lösen.

Das Sitzen auf dem warmen Pferderücken, das vertrauensvolle sich Einlassen (lösen) in die harmonisch gleichmäßige Bewegung, das Finden und Erleben des eigenen Schwerpunktes, sowie das Getragenwerden sind Erlebnisse, die an das Getragenwerdens im Mutterleib oder auf den Arm des Vaters erinnern, und sehr heilsam sein können.

Manchmal spürt man aber auch seine Unlebendigkeit des Körpers, seine innere Anspannung oder eventuelle Blockaden. Diese können durch die dreidimensionale Schwingung des Pferdes und bestimmter Körperübungen gelockert und gelöst werden.

Die Reittherapie bietet Raum für ein spielerisches Kennen lernen eigener Fähigkeiten und das Spüren und Annehmen des eigenen Körpers.

3. Aktive Auseinandersetzung/ Führung übernehmen

Pferde suchen in ihrem Gegenüber auch jemanden, der sie führt. Sie folgen ungern einer Person, die kein klares Gespür für sich selbst hat. Pferde reagieren auf Menschen, die Unsicherheit, Zwang und Aggression in sich tragen, zunächst eher abweisend d.h. sie sind nicht so leicht bereit zu folgen. Somit fordert das Pferd die Menschen auf, im Prozess des Miteinanders das eigene Verhalten zusammen mit dem Reittherapeuten zu überdenken.

So bietet die Reittherapie die Chance, neue Aspekte einzubringen und zu bearbeiten.

Die Zügel selbst „in die Hand“ nehmen bedeutet für viele einen wichtigen  Entwicklungsschritt zu mehr Durchsetzungsvermögen, Selbstbewusstsein und Eigenständigkeit.

Man kann die Erfahrung machen, dass dieses große, respekteinflößende, 400 – 600 kg schwerer Lebewesen dahin geht, wo man möchte, das meine Stimme gehört wird. Dem Menschen der vorher die Erfahrung von Ohnmacht und Hilflosigkeit gemacht hat, erfährt sich selbst als relevant.

Eine Ziel ist es in diesem Hinblick auf mein Crowdfunding bei Überfinanzierung gequälten Kriegsflüchtlingen kostenfrei Reittherapie anzubieten. Dazu arbeite ich mit einer Gestalttherapeutin in Berlin zusammen, die ehrenamtlich Folteropfer therapiert.

   

Eigene Erfahrung, Stimmungsbilder

Als selbst Betroffene von PTBS kann ich von der Wirkung auf mich berichten. Pferde wirken auf mich ausgleichend und erdend. Sie ziehen meinen konzentrativen Focus auf sich und lassen wenig Raum für schmerzvolle Gedanken. Die Versorgung des Pferdes folgt einer Ordnung, die Struktur vorgibt und damit ein gewisse Sicherheit. (vgl. Wirkung von Ritualhandlung)

Was Patienten aus der Reittherapie mitnehmen konnten. Dies sind ein paar Beispiele, die immer wieder genannt werden und keine direkten Zitate.

    Eine bessere Wahrnehmung und Einschätzung meiner Wirkung auf andere.

    Mehr Vertrauen und Zutrauen zu mir.

    Achtsam zu sein!

    Grenzen wahrnehmen und Grenzen setzen.

    Ich habe wieder Vertrauen in meinen Körper gefunden.

    Stärkung meines Selbstbewusstseins!

    Klarheit spielt eine große Rolle und hat nichts mit Aggression oder Kampf gemein. Entspanntes und ruhiges Führen ist viel leichter und angenehmer und funktioniert auch.

    Auf dem Pferd werden meine Seelenanteile wieder als Ganzes zusammengefügt.

    Beim Führen der Pferde ist es ähnlich wie im Leben: es kommt auf die Ausrichtung und innere Klarheit an, wenn ich mein Ziel erreichen will.

    Mit Ruhe und Gelassenheit  kann ich mich einlassen und die Führung ohne Kampf übernehmen.

    Nach dem Reiten bin ich total erfrischt und lebendig.

    Im Laufe der Therapiestunde verbesserte sich jedes Mal meine Befindlichkeit.

    Ich werde die Begegnung mit dem Pferd noch öfter als Spiegel meiner Seele zur weiteren Sensibilisierung nutzen.

    Ich habe zum ersten Mal wieder einen Anflug von Lebensfreude in mir gespürt – dieses Gefühl war seit über einem Jahr nicht mehr da!

 

Schlusswort

In Momenten, in denen unser Leben um uns herum zusammenbricht, haben wir oft das Gefühl, nie wieder Land zu sehen, da nie wieder raus zu kommen… Und doch gibt es Menschen, die gerade nach einer solchen Erfahrung sagen, dass diese Krise das beste war, das ihnen passieren konnte, diese Krise ihnen die Augen geöffnet hat. Dass sie durch diese Krise weit über sich hinausgewachsen sind. Im Moment der Lebenskrise ist das mit Sicherheit nicht zu erkennen, sondern immer erst rückblickend mit dem nötigen Abstand. Es ist aber meine Entscheidung, wie ich mit der Krise umgehe und welchen Weg ich aus aus der Krise wähle.

Zur Ruhe kommen, sich selber finden, innere Stärke entdecken.

Eine Lebenskrise überwinden: Das klingt oft nach jahrelanger Psychotherapie. Doch oft helfen schon ein paar einfache Strategien, um eine Lebenskrise zu bewältigen. Pferde können uns helfen eine solche Krise leichter zu meistern. Sie haben die besondere Gabe uns zu eben diesem verloren Inneren zu führen, ganz sanft, von sich aus und ohne Druck. Und sie können uns lehren, unsere Gefühle als Informationsquelle zu nutzen und auf unsere innere Stimme zu hören. Habe ich einen anderen Zugang zu meinen Gefühlen, lerne ich mit meinen Gefühlen zu arbeiten, verlieren vor allem die sogenannten negativen Gefühle schnell ihren Schrecken. Wir werden sie dann zwar noch nicht zwingend lieben, aber wir können leichter mit ihnen umgehen und unser Leben besser in den Griff bekommen.

All beings healing